Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

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Professor Hans-Joachim Höhn erinnert sich bei unserem Sommerfest am 6. September 2026 an die großen Fragen der Sesamstraße: Seine Gedanken zu Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?Wo Fragen einen Ort finden können Sie hier nachlesen:


„Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?“ – Mit diesen Fragen startet jedes Mal eine neue Folge der Kinderserie „Sesamstraße“. In jeder Folge geht es um Fragen, die kleine Leute haben. Aber nicht nur Kinder stellen Fragen - Erwachsene auch. Und auch die haben einen Ort, wo sie in Serie gestellt werden können. In der Jabachstraße 4-8. Aber es gibt einen bemerkenswerten Unterschied. Im Sesamstraßensong heißt es in der zweiten Zeile: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Fragen sind hier dazu da, einen Zustand zu überwinden, den offenkundig Mängel und Leerstellen kennzeichnen. In der Jabachstraße wird hingegen bestritten, dass Fragen der Ausdruck eines Mangelzustands sind. Wer hier Fragen nachgeht, ist weder unwissend oder ungebildet, noch uninformiert oder ahnungslos – oder gar dumm. Fragen heißt nicht: eine Bildungslücke offenbaren, keine Ahnung haben, sich nicht auskennen. Im Gegenteil. Fragen heißt:

  • mehr wissen wollen, da man bereits zu viel weiß, um eine Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen;
  • damit rechnen, dass mehr oder weniger hinter einer Sache steckt als sie auf den ersten Blick erkennen lässt;
  • einen Anfangsverdacht haben, dass etwas in Wahrheit und in Wirklichkeit ganz anders ist als zunächst angenommen.

Wer fragt, offenbart kein Wissensdefizit, sondern verfügt über ein Defizitwissen. Wer fragt, weiß nämlich, wo es hapert. Wer fragt, weiß, was man so nicht stehen lassen kann. Wer fragt, ist neugierig, aufgeweckt, aufgeschlossen, belehrbar. Wer fragt, kennt die Lücken und Leerstellen auf Seiten der Besserwisser.

In der Karl Rahner Akademie sind alle Leute willkommen, die mit einem Fragezeichen unterwegs sind. Willkommen sind natürlich auch die Schonbescheidwisser, aber mehr noch die Wissbegierigen und Nachfragenbesitzer.

Wer in die Jabachstr. 4-8 kommt, begnügt sich nicht mit den Fragewörtern „Wer, wie was?“. Denn sie führen nur zu informativen Teilantworten. Um aufs aufgeklärte Ganze zu gehen, muss man sich durch- und weiterfragen: „Wieso, weshalb, warum?“ Auch dafür ist die Rahner-Akademie ein guter Ort: Hier gibt es nicht nur Fragen über Gott und die Welt, sondern auch erste Antworten. Aber da solche Antworten oft einen Haken haben, wird hier öffentlich nachgehakt: Wieso, weshalb, warum sollte man einem Auskunftgeber Recht geben? Gibt es dafür gute Gründe? Gibt es für einen anderen Standpunkt bessere Gründe?

Die Karl Rahner Akademie will ein Ort sein, an dem zur Sprache kommt, was zu unserer Zeit an der Zeit ist. Ein Ort, an dem nach Antworten gesucht wird, die über den Tag hinaus Bestand haben. Ein Ort, an dem gemeinsam überlegt wird, was in dieser Zeit über die Zeit hinaus weist.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt im Publikum, wieso, weshalb, warum ich in so großen Tönen über die Karl Rahner Akademie als Ort großer Fragen spreche. Eine erste Antwort lautet: Damit sie das bleiben kann, braucht sie weiterhin Ihr Interesse und Ihren Zuspruch. Die zweite Antwortet lautet: Um für etwas leben zu können, muss man von etwas leben können. Die Akademie braucht Zuspruch und Zuwendung. Dabei geht es auch um materielle Zuwendungen.

© Hans-Joachim Höhn
Bis 2023 Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln
Mitglied im Vorstand der Karl Rahner Akademie


Foto: Ursula Hahmann

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