Momente innerer Freiheit

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Sehr geehrte Damen und Herren,

für Schokoladenfans ist Pfingsten kein besonders aufregendes Fest. Im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern gibt es keine speziellen Süßigkeiten. Der Heilige Geist ist offenbar nicht schokoladentauglich.

Ohnehin scheint der Heilige Geist eine schwierige Existenz zu führen. Schon die Jünger Jesu waren ratlos: „Wir haben noch gar nicht gehört, dass es den Heiligen Geist gibt.“ (Apg 19,2)

Karl Rahner kann das verstehen. „In der Tat ist es für einen Menschen von heute in einem Zeitalter der Technik, der rationalen Menschenführung, der Massenmedien, der rationalen Psychologie … nicht so leicht, etwas als die Wirksamkeit des Heiligen Geistes zu bezeichnen.“ Diese Beobachtung unseres Namensgebers aus dem Jahr 1971 gilt auch für unsere Gegenwart.

Dieser Realität begegnet Karl Rahner mit einem überraschenden Gedanken: „Man wird diesen Eindruck einer profanen Welt, in der es so etwas wie den Heiligen Geist nicht mehr gibt, wohl nur dann wirklich überwinden, wenn man gewillt ist, ihn in dieser Welt nicht nur dann zu entdecken, wenn er unter ausdrücklich religiösen Etiketten auftritt.“ 

Nicht nur der Heilige Geist, sondern auch Rahners Sprache ist nicht immer leicht zu verstehen. Doch er sagt hier etwas Wunderbares: Der Heilige Geist ist nichts Exklusives, das in den „Mauern der Kirche eingesperrt zu denken“ ist. Er offenbart sich vielmehr in Momenten des Alltags, zum Beispiel wenn wir „ausschauen nach innerer Freiheit“.

Wir wünschen Ihnen zu Pfingsten zahlreiche Momente der inneren Freiheit – mit und ohne Schokolade.

Ihr
Norbert Bauer
Akademieleiter


Foto: Laurenz Bick, KRA

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