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Das Rotkehlchen ist Vogel des Jahres - ein kurzer Ostergedanke von Norbert Bauer   Rückblicke

Kurz vor Ostern haben wir zu Hause ein Nest mit Eiern entdeckt.

Auf dem Balkon - zwischen Schnittlauch und Rosmarin. Erst waren es drei Eier, dann fünf. Ein Rotkehlchen hat das Nest gebaut und brütet jetzt die Eier aus. Das Rotkehlchen stört sich nicht an uns. Wir können weiter auf dem Balkon sitzen und uns über das neue Leben kurz vor Ostern freuen.

Eine Legende von Selma Lagerlöf erzählt, dass die Brust des Vogels durch einen Blutspritzer Jesu rot gefärbt wurde.  „Das Rotkehlchen sah, wie das Blut auf die Stirn des Gekreuzigten tropfte, und da vermochte es nicht mehr still in seinem Neste zu bleiben. Der Vogel verließ den Rosenstrauch, flog hinaus in die Luft und zog mit seinem Schnabel einen Dorn aus der Stirn des Gekreuzigten. Während er dies tat, fiel ein Tropfen von dem Blute auf die Kehle des Vogels.“ Eine andere Legende erzählt, dass das Rotkehlchen Jesus am Kreuz mit seinem Gesang getröstet haben soll.

An Ostern feiern wir, dass Tod und Auferstehung Jesu für uns selbst zum Trost werden kann, weil, so Karl Rahner, Jesus sich „radikal solidarisch mit uns gemacht hat.“ Diese Hoffnung, die wir „nicht glauben müssen, wohl aber glauben können“ ist in diesen Tagen nicht so leicht in unserer Kirche zu spüren. Die Gutachten zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs zeigen, dass die Betroffenen eben allzu oft keine Solidarität im Raum der Kirche erfahren haben. Deswegen ist das Rotkehlchen ein Vorbild. Es blieb angesichts des Leids „nicht still im Nest“ sitzen. Den Trost, den der Blick ins leere Grab spenden kann, kann zugleich auch Kraft schenken, angesichts des Leids weiter unruhig und laut zu sein.

Ich wünsche Euch und Ihnen auch im Namen der Kolleginnen ein gesegnetes Osterfest.

 

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